Der 29. November 2018 war ein besonderer Tag für die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel mbH - SFK. Geschäftsführer Andreas Schulz und Betriebsleiter Ansgar Stalder unterzeichnen den Bauvertrag für ein Fördeschiff, das den Beginn für eine neue Schiffsgeneration auf der Kieler Förde einleiten wird, denn es sind noch drei weitere Neubauten in den nächsten Jahren geplant. Das erste Schiff wird rd. 3,9 Millionen Euro kosten.


















So wurde die MS GAARDEN der Öffentlichkeit vorgestellt.


















Die „Design-Abteilung von FördeFördern e.V. bevorzugt eine eher „Weiße Schiffsanmutung“.




Die Holland Shipyards Group erhielt nach einer europaweiten Ausschreibung den Auftrag, eine Plug-in-Hybridfähre für die Kieler Reederei zu bauen.

Sie hat sich mit ihrem Angebot gegen elf Mitbewerber durchgesetzt. Nach den Vergabeverhandlungen hat der Aufsichtsrat der SFK am 6. November 2018 und der Hauptausschuss der Landeshauptstadt Kiel am 7. November 2018 der Entscheidung zugestimmt. Die Indienststellung ist für das erste Quartal 2020 geplant.


Kurzbeschreibung des neuen Fahrgastschiffes:

Es soll ein Einrumpfschiff in Stahl ggf. mit einem Wulstbug sein, der besonders wenig Schwell erzeugt. Länge über alles 32 Meter, Breite über alles ca. 8 Meter, der Tiefgang soll maximal 2,4 Meter betragen. Die Geschwindigkeit soll bei mindestens rd. 11 Knoten liegen. Antrieb: 2 Festpropeller mit elektrischen Fahrmotoren und 2 Generatoren sowie einem elektrischem Bugstrahlruder.


Der Neubau wird ein modernes Design mit Wiedererkennungsfaktoren der „alten“ Fördedampfer haben: Schornsteine, Ruderhaus mit Masten. Es gibt einen barrierearmen Ein- und Ausstieg über 2 automatisierte Rampen von ca. 1,60 Meter Breite (bisher 0,80 m).


















Platz für 40 einzeln entnehmbare  Fahrräder ist auf dem Hauptdeck vorhanden. Die Fahrgastströme werden getrennt, in dem Kapazität auf dem Oberdeck vor allem für die Touristik vorgesehen ist; das Hauptdeck soll eher für den ÖPNV genutzt werden. Auf dem Oberdeck sind als weitere Neuerung für Fahrgäste im Vorschiffsbereich (in Fahrtrichtung) Sitzplätze außen vorgesehen.



















 

Antriebskonzept

Zur Auswahl eines möglichen Antriebskonzepts vor Auftragsvergabe hatte die SFK bereits in 2017 eine Umweltstudie bei SDC (SHIP DESIGN & CONSULT) in Hamburg in Auftrag gegeben. Dabei wurde der Masterplan Klimaschutz und weitere Rahmenbedingungen (Zukunftsfähigkeit des Antriebs, Nachrüstung, Emissionsreduzierung etc.) berücksichtigt. Mit der  Plug-in-Diesel-Hybrid-Variante wurde das Ergebnis dieser Studie noch übertroffen.

 

Das Förderprogramm Saubere Luft 2017-2020 fördert in diesem Bereich nur Plug-in-Varianten. Das neue Schiff wäre also mit einem Plug-in-Konzept mit elektrischen Fahrmotoren und 273 Kilowattstunde (kWh) Bruttopack förderfähig. Die Kapazität der lithium-Ionen-Feststoffbatterien erlaubt es teilweise vollelektrisch zu segeln. Die von den Bietern eingereichten Vorhersagen gehen von einer Reichweite von der Bahnhofsbrücke bis Bellevue aus.


Die Generatoren werden künftig mit GTL (gas to liquid) anstelle von Schiffsdiesel/Gasöl betrieben. Der Kraftstoff ist zurzeit rd. 10 Cent je Liter teurer als Schiffsdiesel/Gasöl, hat aber erhebliche Vorteile beim Kraftstoffverbrauch und geringere Emissionen.Zusätzlich wird ein Abgasnachbehandlungssystem (Adblue) verbaut. 


Förderungsmöglichkeit

Der Bund fördert aus dem Programm Saubere Luft 2017-2020 die Mehraufwendungen der elektrischen Antriebskomponenten eines Plug-in-Hybrids des ersten Schiffes gegenüber einem dieselmechanischen Schiffsantrieb. Aktuell wurde der SFK eine Förderquote von 40 Prozent (171 T€) in Aussicht gestellt. 


Optionale Nachbauten der Fahrgastschiffe 2 bis 4

Die SFK hat in der europaweiten Ausschreibung und im Bauvertrag sogenannte Optionsschiffe vorgesehen. Die SFK hat damit die Option, drei weitere baugleiche Fahrgastschiffe zu bestellen. Die Option kann innerhalb von 18 Monaten nach Auslieferung des ersten Schiffes gezogen werden. Die Preise sind bereits vertraglich fixiert.



Anmerkung der Redaktion: „In 39 Jahren Redaktions-Tätigkeit habe ich noch nie eine Pressekonferenz wie diese erlebt. Soviel Begeisterung. Auf allen Seiten! Reederei- und Bauwerft-Vertreter sprachen über das Schiff, wie über ein neugeborenes Kind. Es war deutlich spürbar: Die Chemie zwischen ihnen stimmt! Die Technik wohl auch. Oberbürgermeister, Aufsichtsratsvorsitzender und Werkleiterin waren genauso begeistert. Ich auch. Es wurde soviel gefragt und geantwortet – es hat sich niemand einen Kaffee gegönnt. Allenfalls ein Wasser für die Stimme. Die Schnittchen standen in der Ecke. Niemand hatte Zeit und Lust, eines zu sich zu nehmen. Unglaublich!“


Michael Henry, 30. November 2018






Hören und sehen Sie alles über das neue Antriebskonzept: Start

MS GAARDEN – Neue Schiffe  werden auf Kiel gelegt

Aufbruch in die Zukunft der Fördeschifffahrt

Neue Linien und Fahrpläne müssen folgen